Verleihung des Friedenspreis des deutschen Filmes – Die Brücke 2016

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„Wenn die Seele bereit ist, sind es die Dinge auch.“

20160630_223050Das war einer der Zitate, die mir vom gestrigen Abend hängengeblieben sind. Durch eine glückliche Fügung war ich zur Verleihung des Friedenspreises des deutschen Filmes eingeladen.
Wie glücklich die Fügung war, habe ich so richtig realisiert als ich im wunderhübschen Cuvilliestheater saß. Dazu als Einstieg als krasser Kontrast Bilder von Kriegen, begleitet von Klavier und Trompete. Ich war sprachlos. Und bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Einer der Bilder zeigte den dreijährigen Aylan, der auf der Flucht nach Europa ertrank. Ein Symbol für die Schrecken des Krieges und für den ganzen Abend.

Der Filmpreis wird seit 2002 vom Bernhard Wicki Gedächtnis Fonds gestiftet und verliehen. Er würdigt künstlerische Arbeiten, die sich mit gesellschaftspolitischen und humanistischen Themen auseinandersetzen. Bernhard Wicki war Schauspieler und Regisseur. Einer seiner bekannteste Filme „Die Brücke“ von 1959 werde ich nie vergessen. Ein großartiger und bewegender Film. Für viele der deutsche Antikriegsfilm schlechthin.

Die gezeigten Ausschnitte der prämierten Filme waren alle sehr intensiv und absolut empfehlenswert. Daher heißt meine neue Bucketliste:

Folgende Filme anschauen:  

A WAR (Internationaler Hauptpreis, ab August als DVD)
Regie: Tobias Lindholm

Wie kann ein Soldat weiterleben, nachdem er eine tödliche Fehlentscheidung getroffen hat? Über den „Friedenseinsatz“ der Dänen in Afghanistan. Großartig gespielt von Pilou Asbæk.

NEBEL IM AUGUST (Nationaler Hauptpreis, ab Oktober im Kino) 
Regie: Kai Wessel

Über den 14-jährigen Ernst Lossa und den Opfern der Euthanasie Programme der Nationalsozialisten. Mit einem souveräner Jungdarsteller (Ivo Pietzker) und fast schon erschreckend sympathischen Anstaltsarzt (Sebastian Koch). Apropos Sebastian Koch. Der hat uns ganz galant an der Tür den Vortritt gelassen. Ein wahrer Gentleman.

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MUSTANG (Nachwuchspreis, als DVD erhältlich)
Regie: Deniz Gamze Ergüven

Für mich der Film mit den schönsten Bildern. Der zugleich voller Lebensfreude und erschreckend ist. Fünf Schwestern wachsen in einem türkischen Dorf auf und kämpfen, soweit möglich, um ihre Selbstbestimmung.
Die Regisseurin hat eine leidenschaftliche Rede gehalten, in der sie klar gemacht was sie von Erdogan hält. Und von unserer Bundeskanzlerin, die sich zu wenig davon distanziert.

DER STAAT GEGEN FRITZ BAUER  (Schauspielerpreis, ab Oktober im Kino)
Schauspieler: Burghard Klaußner

Ich gestehe, ich kannte Burghard Klaußner vorher nicht. Aber die liebreizende Laudatio seines Regisseurs und der Filmausschnitt haben mich überzeugt. Der Mann versteht dem unbeirrbaren Staatsanwalt Fritz Bauer ein Gesicht zu geben. Fritz Bauer ist es zu verdanken, dass der SS-Obersturmführer Adolf Eichmann gefasst wurde. Unfassbar wie viele Steine ihm in der Adenauer Ära in den Weg gelegt wurden.

FUOCOAMMARE (Spezialpreis, ab Ende Juli im Kino)
Regie: Gianfranco Rosi

Fuocoammare heißt Seefeuer. Ein Dokumentarfilm, der die Bewohner von Lampedusa in ihrem neuen Alltag zeigt. In dem nichts mehr ist, wie es mal war. Seitdem hier täglich neue Flüchtlinge ankommen, davon viele tot, hat die einstige Urlaubsinsel ganz andere Sorgen. An dieser Stelle fehlen mir einfach die Worte. Wie verzweifelt ist ein Mensch, der sich dieses Risiko und Strapazen aussetzt?

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Zum Abschluss der Preisverleihung gab es von der großartigen Band Wood of Birnam mit Sänger Christian Friede den Song „Homeless“. Ich habe mir dabei versucht vorzustellen wie das wäre. Es ist mir einfach nicht gelungen. So gut geht es mir. Puh…

Auf der anschließenden „Come together“ Party wurde mir bewusst wie kleingeistig wir sind. Indem Plätze für Menschen belegt werden, die länger am Buffet anstanden. Und andere lieber im Stehen essen zu lassen statt den Platz derweil anzubieten.
Dabei ist es doch genau das, was wir schon im Kleinen anfangen können. Klaus Maria Brandauer meinte in seiner Rede, wie erschreckend es ist, dass wir gefühlt so wenig ausrichten können. Ich finde Frieden fängt genau da an. In Dir. Im Wir. Im Alltag. Im Denken. Im weniger Recht haben wollen. Im mehr am Leben des Anderen teilnehmen. Im mehr dankbar sein. Für das Leben was wir führen (können). Fernab von Krieg und doch so nah.

Wo fängt Dein Frieden an?

 

Friedvoll und dankbar

 

Deine Chris

 

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